Schlagwort: Märchen

Sterntaler No. 2

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Ich bin bei meiner Märchenrecherche unter anderem wieder zum Sterntaler gekommen. Ich habe ja hier schon einmal über Sterntaler geschrieben und helfe von Zeit zu Zeit Sterntalerpuppen auf die Welt, da ich davon überzeugt bin, dass es ein ganz besonderes Märchen ist.

Kurze Märchen oder Geschichten, rhythmisch erzählt, sind auch für jüngere Kinder ein besonderes Erlebnis und stärken Phantasie und Gedächtniskonsolidierung. Gerade frei erzählte Geschichten mit Wiederholungselementen werden hierbei mit höchster Aufmerksamkeit verfolgt und üben nebenbei das verstehende Zuhören. Mit Hilfe des Puppen(nach)spielens steigen die Kinder unbefangen tief in eine Handlung ein und erleben das Erzählte unmittelbar. Sie lernen darüber hinaus sich in andere Menschen hineinzuversetzen und ihre Gefühle zu teilen. Ein Märchen dass sich wunderbar zum Nachspielen und Erzählen eignet ist unser Sterntaler.

Seit “Die Sterntaler” in den Kinder- und Hausmärchen der Gebrüder Grimm 1812 erstmalig erschien, hat seine Beliebtheit bis heute nicht abgenommen. In meinem Umfeld habe ich beobachtet, dass schon 3-jährige Kinder sehr fasziniert sind und dieses Märchen immer wieder nachspielen.

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Sterne zählen seit jeher zu den Glückssymbolen und stehen für die seelische Verbindung  des weiten Weltalls zum Menschen. Aber auch ganz konkret gab es seit 1776 hessische Taler, die ein Landgraf mit dem Stern des Löwenorden prägen ließ und die im Volksmund gemeinhin als Sterntaler bezeichnet wurden und wer mag ausschließen, dass Jacob Grimm, gebürtiger Hanauer, als er die damalige Urfassung mit “Die Sterntaler” betitelte, diese hessischen Münzen nicht auch im Sinn hatte.

Unser Sterntalerkind steht für das hilfsbedürftige Kind schlechthin – elternlos, arm, kein Dach über dem Kopf und somit zu der damaligen Zeit mit Sicherheit ohne Zukunft. Doch da das Mädchen „gut und fromm“ war – das biedermeierliche Frauenideal der damaligen Zeit lässt grüßen – erfüllt es die Vorraussetzung zu märchenhafter Hilfe. Von tief empfundener Nächstenliebe durchdrungen gibt unser Mädchen das sprichwörtliche letzte Hemd und steht am Ende in dunkler Nacht schutzlos da. Und nur die märchenhaft übernatürliche Hilfe kann dieser Not ein Ende machen und so fallen „lauter harte, blanke Taler“ zu unserem Kind herunter und es ist versorgt bis an sein Lebensende.

Für die Zufriedenheit des Kindes, auch das innere Kind ist hier gemeint, wird das  Schenken als eine notwendige Vorraussetzung angesehen um aus eigener Kraft eine Heimat und inneren Reichtum zu finden. Das Kind vergibt all seinen „Besitz“ auf dem Weg zum Ich, zum neuen Bewusstsein und geordnetem Denken symbolisiert durch das zart gewebte reine Hemd und das Gold der Weisheit, die Sterntaler.

 

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Die Sterntaler

 

Das SterntalerKind steht für unser inneres Kind, welches die Welt im Jetzt wahrnimmt, spontan handelt und quirlige Lebenslust verspürt.

Froh und freigiebig verschenkt es spontan alles, was es (lebenswichtiges) besitzt um das frierende und hungrige Gegenüber liebevoll zu versorgen. Es handelt spontan aus guten Herzen und bekommt dafür Sterntaler.

Dieses innere Kind, zu welchem wir Kontakt herstellen können, verschenkt sich. Es ist dann froh und beglückt, wenn es geben kann und es bekommt immaterielle Sterntaler zurück.

Sterntaler sind die Zufriedenheit (nicht das Glück ist soo wichtig) und der Zauber des Lebens, den wir immer wieder in kleinen Funken aufblitzen sehen oder die tiefe Freude die uns durchströmt im Moment des Schenkens, Erfreuen und des Helfens. Mit dieser Währung wird das Herz tatsächlich erfüllt und der Zauber des Moments gefeiert.

Und vielleicht mögen Kinder dieses Märchen deshalb so gerne, da das Sterntaler ihnen so ähnlich ist.

Der Moment, das Jetzt, die unmittelbare Empfindung ist das was zählt – die frierende Nacht ist so fern und unwichtig, da das Himmelsglück über ihnen prangt und ihnen in den Schoß fällt.